Shiatsu Ausbildung - Inhalte

Die Ausbildung besteht aus drei Abschnitten, die in Stufen gegliedert sind. Die Stufen-Kurse werden ergänzt durch Praxisgelegenheiten, Spezialseminare, Tutorien sowie Grundkenntnisse in Schulmedizin, TCM, Kommunikation und Psychologie.

Stufen-Kurse

Der erste Abschnitt – Das traditionelle Meridiansystem

Stufe 1

In diesem Kurs werden die praktischen und theoretischen Grundlagen von Shiatsu vermittelt. In einer Reihe von Übungen lernen die TeilnehmerInnen, die Lebensenergie wahrzunehmen und wie sie sich in den Meridianen, in der Körperbewegung und in individuellen Angewohnheiten manifestiert. Die zwölf traditionellen Meridiane und deren Funktionen werden im Rahmen einfacher Shiatsu-Techniken dargestellt und erläutert. Stufe 1 ermöglicht es ihnen, Shiatsu im Familien und Freundeskreis zu praktizieren.

Stufe 2

In diesem Kurs steht die Verbindung der Meridiane mit der Lehre von den Fünf Wandlungsphasen und dem Lebenszyklus im Mittelpunkt. Die bisher erlernten Techniken werden durch die Arbeit mit den Daumen verfeinert und mit Shiatsu in der Seitenlage erweitert. Zusätzlich werden spezifische Meridiandehnübungen und die Yu-Punkte gelehrt.

Stufe 3

In diesem Kurs werden bereits bekannte Techniken vertieft und durch neue ergänzt: Arbeiten mit Armen, Ellbogen und Knien; Dehnungen, Rotationen und Übergänge. Dazu kommen Shiatsu in der Sitzposition und die Bo-Punkte.

Der zweite Abschnitt – Das Masunagasystem

Stufe 4

Stufe 4 und 5 bilden eine inhaltliche Einheit: Das in Stufe 4 Gelernte wird in Stufe 5 vertieft und verfeinert. Aufbauend auf dem Erlernten des ersten Abschnittes bildet dieser Kurs die Einführung in das Shiatsu-Konzept nach Shizuto Masunaga. Dazu gehören die Hara-Zonen, die Theorie von kyo und jitsu, Masunagas erweitertes Meridiansystem sowie die entsprechenden Techniken.

Stufe 5

Die Rücken-Zonen als Alternative zur Hara-Diagnose, die Wiederholung und Präzisierung der Meridianverläufe und die Vertiefung der Theorie von kyo und jitsu stehen im Mittelpunkt dieses Kurses. Das Arbeiten an den Masunaga-Meridianen in allen Positionen, einschließlich der Sitzposition, und genaues Arbeiten an den Meridianen in speziellen Bereichen wie Kopf, Gesicht, Hals, Nacken und Brustkorb sind ebenfalls Thema dieses Kurses.

Die Lernenden erarbeiten für den Kurs eine Behandlungsbeschreibung, die im Kurs besprochen wird. Im Kurs findet eine kurze praktische Überprüfung in Kleingruppen statt.

Der dritte Abschnitt – Vorbereitung auf eine professionelle Shiatsu-Praxis

Stufe 6 und 7

Stufe 6 und 7 bilden eine inhaltliche Einheit. Die individuelle Betreuung der Lernenden steht im Mittelpunkt dieses Ausbildungs-Abschnittes. Die TeilnehmerInnen beginnen, ihr persönliches Shiatsu zu entwickeln, das geprägt wird durch die individuellen Stärken, Talente und Lebenserfahrungen.

In Stufe 6 werden wesentliche Aspekte von Shiatsu wie das entspannte Lehnen, der spezifische Einsatz von Mutter- und Kindhand, die energetische Wahrnehmung sowie die Integration von KyoJitsu und der Meridianfunktionen in die Behandlung differenziert betrachtet und in Kleingruppen erarbeitet.

Für diesen Kurs schreiben die TeilnehmerInnen 75 Behandlungsprotokolle und 3 Fallbeispiele, die im
Kurs mit LehrerInnen und KollegInnen besprochen werden. Im Kurs gibt es eine schriftliche Prüfung.

In Stufe 7 wird das bisher Gelernte integriert – die Praxis, die Theorie, die Wahrnehmungsfähigkeit, sowie die professionelle Kompetenz.

Themen sind: Wahrnehmen des energetischen Ausdrucks einer Person; Wahrnehmen von Bezügen zwischen Symptomen, Lebensumständen, Potenzialen und deren energetischem Ausdruck; Eingehen auf energetische Reaktionen in der Meridianarbeit durch Variationen der äußeren Shiatsutechniken wie Rhythmus, Tsuboarbeit und dem Einsatz innerer Techniken – wie dem Einstimmen auf Meridianfunktionen und Veränderungen des Arbeitsfokus.

Daneben bleibt Raum für organisatorische Themen wie Praxisaufbau, Öffentlichkeitsarbeit, Arbeitsfelder, Werbung und professionelle Identität. Ein wichtiger Teil der Stufe 7 ist die Besprechung der Fallstudie, die vor dem Kurs angefertigt und im Kurs in Kleingruppen diskutiert wird. Im Kurs gibt es eine praktische Prüfung.

Praxisgelegenheiten

Praxisgelegenheiten – in Form von Abenden, Tagen oder Wochenenden – sind Teil der Ausbildung und bieten die Möglichkeit, die Praxis der jeweiligen Kursstufe unter individueller Anleitung und Korrektur der PraxisleiterInnen zu verfeinern, vertiefen und erweitern.

Spezialseminare

Spezialseminare zu unterschiedlichen Shiatsu-Themen ergänzen den Unterrichtsstoff der Stufenkurse und dienen seiner Vertiefung und Erweiterung. Sie werden als Ausbildungsstunden angerechnet.
Einige Spezialseminare zählen auch als Praxisstunden vor dem Kurs der angegebenen Stufe.

Tutorien

Ein Tutorium ist Unterricht mit einer bzw. zwei oder drei SchülerInnen und einer Lehrperson. Es dauert eine Stunde (bzw. zwei oder drei). Das Offizielle Tutorium vor Stufe 7 ist ein Einzeltutorium über eineinhalb Stunden mit ganzer Behandlung der Lehrperson.

Offizielles Tutorium

Standortbestimmung zur Klärung, ob die Anforderungen der folgenden Stufe erfüllt werden; zusätzlich individuelle Rückmeldung und Hilfestellung.

Extra-Tutorium

Als Unterstützung und zur individuellen Erarbeitung eines Themas können am Ende eines Kurses oder eines obligatorischen Tutoriums ein oder mehrere Extra-Tutorien als obligatorische Auflage gegeben werden. Extra-Tutorien werden vor dem offiziellen Tutorium für die nächste Stufe absolviert.

Freies Tutorium

Zu jedem Zeitpunkt der Ausbildung ab Stufe 1 ist es sinnvoll, «freie Tutorien» zur Verfeinerung und Vertiefung der praktischen Arbeit bzw. zur Klärung von praktischen und theoretischen Fragen zu absolvieren – auch bezüglich Fallbeschreibungen und Fallstudie.

Behandlungstutorium nach Stufe 3

Das in 2010 neu eingeführte Behandlungstutorium bietet auch allen, die ihre Shiatsu-Ausbildung fortführen möchten, eine gute Möglichkeit, den Stoff der ersten drei Stufen zu integrieren. Es ist damit auch die ideale Vorbereitung für die Stufe 4.
Klärung und Prüfung, ob die Voraussetzungen der Stufe 4 erfüllt werden, erfolgt im Offiziellen Tutorium.

Im Laufe der Ausbildung ist ein Minimum von 12 Stunden Tutorien zu absolvieren (einschließlich der insgesamt drei obligatorischen Tutorien). Tutorien können mit allen LehrerInnen des ESI Schweiz und des ESI in anderen Ländern persönlich vereinbart werden.

Grundkenntnisse

Schulmedizin

Lehrgang Grundkenntnisse Schulmedizin

Ziel

Der Lehrgang vermittelt die notwendigen schulmedizinischen Grundkenntnisse, um im Bereich der Erfahrungsmedizin verantwortlich therapeutisch tätig werden zu können. Er schafft die Grundlagen für die spätere professionelle Kommunikation mit medizinischen Fachkräften und ein sicheres Wissen von den Grenzen der eigenen Tätigkeit. Darüber hinaus weckt er die Freude an der Erarbeitung grundlegender medizinischer Zusammenhänge.

Inhalt

Der Lehrgang vermittelt schulmedizinische Grundkenntnisse und entspricht den Richtlinien des EMR. Er umfasst insgesamt 155 Stunden Unterricht und Prüfung in den Bereichen: Anatomie/ Physiologie; Pathologie; Anamnese/ Diagnostik; Psychologie/ Psychosomatik; Notfallmassnahmen/ Hygiene / Diverses.
Der Kurs kann mit einer Prüfung abgeschlossen werden. Bei ausreichender Teilnahme am Unterricht (mind. 80%) und erfolgreicher Ablegung der Prüfung erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat.

Zielpublikum

Der Kurs wendet sich an Personen, die für ihre weitere berufliche Zukunft schulmedizinische Grundkenntnisse erwerben wollen. Vor allem sind solche Personen angesprochen, die in komplementärmedizinischen Bereichen arbeiten oder solches planen. Es werden keine Vorkenntnisse in medizinischen Fragen vorausgesetzt.

Kursleitung

Als Kursleiter und Dozent konnte Eric Haberthür, 38, gewonnen werden. Er ist Arzt und als erfahrener Kursleiter bekannt. Als Vater von Zwillingen ist er zudem "bekennender Hausmann". Sein Unterricht ist lebendig und klar strukturiert.

TCM

Einführung in die TCM – Die Theorie von Yin und Yang

Ausgehend von einem historischen Überblick über die Wurzeln der TCM wenden wir uns dem ihr zugrundeliegenden Konzept von Yin und Yang zu. Wir erarbeiten das Wesen dieses Konzeptes, spielen mit seinen Facetten und machen uns vertraut mit seiner Anwendung auf die Medizin.

Die 5 Vitalen Substanzen

Im Shiatsu befassen wir uns mit Ki. Die TCM kennt verschiedene Abstufungen von Substanzhaftigkeit von Ki - die Vitalen Substanzen. Ausgehend von einer Vertiefung des Konzeptes von Ki erarbeiten wir die Bildung sowie die Funktionen der vitalen Substanzen in der Physiologie des Menschen.

Die 5 Wandlungsphasen – Wasser, Holz, Feuer, Erde, Metall

Teil der Shiatsu Ausbildung in Stufe 2 ist die Lehre von den Fünf Wandlungsphasen. Wir haben in diesem Seminar die Möglichkeit, uns intensiv und spielerisch mit diesem integralen Bestandteil der TCM zu beschäftigen. Wo finden wir Ausdrücke der Wandlungsphasen? Wo können sie uns als Instrument der Beobachtung in der Eigenwahrnehmung sowie der Wahrnehmung anderer unterstützen?

Die Acht Leitprinzipien und die inneren Organe

Die grundlegende Möglichkeit, sich einem energetischen Ungleichgewicht diagnostisch anzunähern, besteht in der TCM in der Zuordnung zu den Acht Leitprinzipien. Wir lernen zunächst die Acht Leitprinzipien kennen und erproben eine Umsetzung anhand typischer Beschwerdebilder. Die Theorie der Inneren Organe stellt ein Kernstück der Traditionellen Chinesischen Medizin dar. Sie ermöglicht uns ein erweitertes Verständnis der Landschaft funktioneller Zusammenhänge im Körper und deren Störungen.

Psychologie

Psychologie 1

Shiatsu praktizieren verlangt respektvolle Achtsamkeit uns selbst und den KlientInnen gegenüber. Die Qualität der Arbeit im Shiatsu ist geprägt von der Beziehung zum anderen Menschen. Achtsamkeit, Offenheit, Vertrauen, da sein für das Gegenüber sind dafür wichtige Voraussetzungen. Einfühlsames Verstehen setzt Grundkenntnisse der Wahrnehmung voraus.Im Kurs werden wir unter anderem Fragen nachgehen wie:Wie nehme ich mich und die andere Person in der Shiatsu-Behandlung wahr? Wie gestalte ich die Balance zwischen Nähe und Distanz?

Psychologie 2

In der Shiatsu-Arbeit sind wir in Kontakt mit Menschen mit ihren Emotionen wie Liebe, Angst, Wut und Trauer. Wie begegne ich ihnen? Welche Modelle können für mich hilfreich sein? Wie lerne ich, eigene Möglichkeiten und Grenzen realistisch einzuschätzen und mit meinen Kräften sorgsam umzugehen? Der Kurs bietet Gelegenheit, seelische Störungen und Grundformen der Angst besser zu verstehen und ein Grundwissen über psychologische Zusammenhänge zu erarbeiten.

Kommunikation

Die Shiatsu-Behandlung unterstützt den Fluss der Lebensenergie. Über die Berührung kommunizieren Shiatsu-TherapeutIn und KlientIn nonverbal. Neben der Körperarbeit ist das Gespräch ein wichtiges Element der therapeutischen Begegnung.

Menschliche Kommunikation folgt gewissen Mustern und Regeln. Sie zu kennen hilft uns, erfolgreicher und bezogener zu kommunizieren. Kommunikationsmodelle unterstützen uns, das eigene Gesprächsverhalten zu erkennen und das Gespräch bewusster zu führen.

Stichworte zu den Kursinhalten

  • Kommunikationsmodelle von P. Watzlawick und Schulz von Thun
  • Aktives Zuhören
  • Feedback
  • Konfliktgespräche

 

Im praktischen Teil des Kurses werden unter anderen folgende Fragen erarbeitet und geklärt:

  • Wie fange ich ein Gespräch an?
  • Wie erkenne ich das Wesentliche eines Gesprächs?
  • Wie kann ich mich abgrenzen?
  • Wie gebe- und wie hole ich mir Rückmeldung?
  • Wie spreche ich Unangenehmes an?

Praktische Übungen zu Themen aus dem Arbeitsumfeld der TeilnehmerInnen wechseln sich ab mit theoretischen Inputs zur Kommunikationstheorie.